Lieber Papa!
Wenn ich auf ein Vierteljahrhundert musikalische Zusammenarbeit mit dir zurückblicke, dann weiß ich gar nicht wofür ich mich zuerst bedanken soll.

Nach meinen ersten erfolglosen Klavierspielversuchen hast du mich in aller Seelenruhe nichts üben lassen …. 1974 durfte ich dann im Alter von neun Jahren zum ersten Mal in deine Klarinette blasen. Es hat dich nicht wesentlich gestört, dass ich dich auf Grund unserer dicken Freundschaft nicht ernst nahm und daher damals von seriösem Klarinettenunterricht bei dir keine Rede sein konnte. Bei unserem Onkel Rudi Jettel habe ich zwar auch nicht so toll geübt, aber er hat mir halt nicht so viel durchgehen lassen. Der grösste Verdienst deinerseits war es, dass du mir in meinen klarinettistischen Flegeljahren immer Verständnis entgegengebracht und mit mit sanft motivierender Hand gefördert hast.
Ich denke da an unsere ersten gemeinsamen Auftritte in der Ferienzeit, wo wir bei Schlechtwetter die Pensions- und Hotelgäste unseres Quartiers mit Küffnerduetten für Es- und D-Klarinette beglückten. Der nächste Schritt war 1977 eine Konzertserie mit dem Wiener Terzett in der Besetzung 2 Klarinetten und Kontragitarre, sowie die erste Schallplattenaufnahme meines Lebens im selben Jahr. Die Mitwirkung bei Orchesterkonzerten seit dem zwölften Lebensjahr, Rundfunk-, Fernseh- und Schallplattenproduktionen, die sehr zur Aufbesserung meines Taschengeldes beitrugen, folgten. Eine nicht zu unterschätzende Motivation für einen jungen und unternehmungslustigen Knaben wie mich.

Ein neuerlicher Motivationsschub war die etwas weniger sanfte, aber für mich ungeheuer wichtige Studienzeit bei Professor Peter Schmidl an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien von 1980-1988.
In dieser Zet versuchte ich mich auch als Rockschlagersänger, Tonstudiobesitzer, Komponist und Privatlehrer für Klarinette, Saxophon, Klavier und Schlagzeug.
Bis es meinem Professor zuviel wurde und er mich aufforderte, doch endlich fleißiger zu üben.
In dieser wichtigen Phase warst du, lieber Papa, immer eine große Hilfe und ein fantastischer Lehrer für mich.
Seit 1988 genieße ich es, im NTO Wien als Soloklarinettist neben dir Dienst zu machen und am Josef Matthias Hauer Konservatorium kann ich seit 1992, das von dir Gelernte, weitergeben.

Die gemeinsame Kammermusikarbeit mit dem Bläseroktett “Collegium Viennense” macht mir viel Freude und der vorläufige Gipfel unserer Zusammenarbeit sind wohl die Konzerte, die ich als Solist unter deiner Stabführung spielen darf.
Ich habe dir wirklich sehr viel zu verdanken.
In Liebe
Dein Kurt
Aus dem Booklet der CD “Mozart“
von Kurt Franz Schmid an seinen Vater
mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.

Berührend. Solch einen Sohn kann man sich nur wünschen. Danke, dass ich daran teilhaben durfte. Für mich sind solche Beiträge einfach wunderschön, da bekommt der Mensch, der hinter diesen Seiten steht gleich viel menschlichere Züge.